..... Schon haben wir den Namen eines Mannes genannt, der durch seinen Geist und sein Genie ebenbürtig neben Elias Howe jun. in der Geschichte der Nähmaschinen Platz finden muß. Wir meinen

Allen B. Wilson.

Wilson war einer der ersten Männer von Kenntnissen, der nach dem Bekanntwerden der Nähmaschinen Howe's die Bedeutung dieser neuen Maschine erkannte und richtiger Schätzung der zukünftigen Anwendung sich eifrigst darum bemühte, dieselbe zu der Stellung mit zu fördern, die ihr zukam. Allein das Patent Howe's hinderte Wilson daran, die Maschine, wie sie vorlag, zu bauen und zu benutzen. Er sann deshalb, von dem richtigen Gedanken ausgehend, daß für die Lösung eines Problems mehrere Wege möglich seien, über einen anderen Mechanismus zur Erreichung des Zweckes nach, als bei Howes Maschine angewendet war. Die Auffindung wheeler & wilson eines solchen gelang Wilson und schon am 12. November 1850 erhielt er ein erstes Patent darauf. Er adoptierte den Schlußstich Howes als am ökonomischsten und solidesten und verbesserte das Howe'sche Schiffchen durch einen Mechanismus, mit Hilfe dessen die Maschine sowohl bei Vor- als Rückgang des Schiffchens einen Stich macht. Ferner verbesserte er den Führer zum Halten, Fortschieben des Zeuges und die Spannung des Nähfadens. 1851 aber setzte Wilson an Stelle jenes Schiffchens einen Drehhaken ein, der in seiner Idee und Wirkung überaus einfach und höchst sinnreich ist. Diese Vorrichtung kann man originell nennen im vollsten Sinne des Wortes und die Wilson'sche Nähmaschine repräsentiert dadurch gleichsam ein zweites System von Nähmaschinen, genug charakteristisch unterschieden von dem Howe'schen. Alle Urteile kompetenter Männer lauten hierin übereinstimmend. Trotzdem erhob Howe seine Stimme gegen die freie Ausführung der Wilson'schen Maschine und erreichte, daß Wilson für die Teile, welche von Howe gebraucht waren, eine Abgabe an Letzteren zu entrichten, verpflichtet ward. - Wilson verband sich zur Ausführung dieser Maschinen im Großen mit Nathaniel Wheeler, einem tüchtigen Kaufmann, und begründete zunächst eine kleine Fabrik in Watertown. Der außerordentliche Erfolg machte schnell eine Vergrößerung der Fabrik nötig, deren Gebäude jetzt in Bridgeport eine grandiose Ausdehnung haben mit einer dreistöckigen Vorderfront von 110 Fenstern und drei mächtige Höfe umfassen. Dies Wachsen der Anerkennung wird am besten bezeichnet durch die jährlichen Lieferungen. 1853 bauten Wheeler & Wilson 799 und 1866/67 - 38.055 Maschinen. In New York, Broadway 625, erhebt sich ein Palast, welcher die Wheeler & Wilson Verkaufshallen umschließt. Große Säle enthalten die zum Verkauf gestellten Nähmaschinen, andere bieten Gelegenheit, die Maschinen in Tätigkeit zu sehen, in wieder anderen prächtig ausgestatteten Salon's liegen Manufakte in reicher Fülle aus, woran man die Vielseitigkeit und Güte der Nähte bewundern und beurteilen kann. Die Wheeler & Wilson'sche Maschine hat wegen ihrer soliden Konstruktion schnelle Anerkennung und Verbreitung genossen. Die amerikanische, englische und deutsche Presse waren immer über ihre Güter einig und sogar Blühten der Poesie wurden um sie geschlungen.
Wilson hat sich jetzt aus dem Geschäft zurückgezogen und lebt in Waterburn (Connecticut) mit mancherlei Plänen und Entwürfen beschäftigt, da er auch in anderen Gebieten der Technik verbessernd und erfindend auftritt. Er ist ein imposanter, großer Mann mit geistreichem, scharfem Auge und mächtigen Bart, der in üppiger Fülle ihm fast die ganze Brust bedeckt. Mit dieser äußeren Wohlgestalt verbindet er ein vortreffliches Gemüt und eine hohe Geisteskraft. - .....

Quelle:
Grothe, Hermann: Bilder und Studien zur Geschichte der Industrie und des Maschinenwesens,
Verlag von Julius Springer, Berlin, 1870 - (Text größtenteils in der Ausdrucksweise belassen.)
 

..... Endlich gelang es A.B. Wilson, dem Mitbegründer der bekannten Wheeler & Wilson Co., 1852 den heute bei den meisten Doppelsteppstichmaschinen gebräuchlichen Vorschub mit Viereckbewegung zu ersinnen. Der Wilson'sche Stoffschieber macht bei jedem Stich über der Nähplatte stehend eine Vorwärtsbewegung von bestimmter, einstellbarer Länge, sinkt dann unter die Platte, geht unterhalb derselben zu seinem Ausgangspunkt zurück und hebt sich wieder, wobei das von Singer übernommene federnde Füßchen den Stoff gegen seine gezahnte Oberfläche drückt. Beim Sinken des Stoffschiebers unter die Nähplatte vermag das Nähgut nicht zu folgen, da es von der Platte zurückgehalten wird. Infolgedessen lösen sich die Zähne leicht vom Nähgut und können daher die erforderliche Rückbewegung ausführen, ohne den Stoff mitzunehmen. Da während dieser Periode die Stichbildung stattfindet, ist der Stoff gut gespannt und kann daher weder durch die emporsteigende Nadel gehoben werden, wodurch Fehlstiche entstehen können, noch kann er durch den Fadenanzug gekräuselt werden.
Durch die Entwicklung des Wilson'schen Stoffschiebers war die Entwicklung der Doppelsteppstich-Nähmaschine zu einem gewissen Abschluß gelangt und in der Folge konzentrierten sich die Bemühungen der Erfinder auf die Verbesserung der Schlingenfänger und der Fadengebungsorgane. .....

Quelle:
Kraft, August und Nagel, Alexander: Der Nähmaschinen - Mechaniker,
Reichsverband Deutscher Mechaniker e.V. - Verlagsdruckerei Gerh. Hillje, Bremen, 1929 - (Text größtenteils in der Ausdrucksweise belassen.)