Anleitung

zum Gebrauch der

Kurbel=Stick=Maschine
auch Universal–Tamourier–Maschine genannt

Berliner Stickhmaschinen–Fabrik

Schirmer, Blau & Co.
G.m.b.H.

Berlin, NO.55


Kurbel–Stick–Maschine

auch Universal–Tamourier–Maschine genannt


Maschine No. 1

Zweck der Maschine.

Die Maschine dient zur Herstellung von Kettenstich-Stickereien auf den verschiedensten Stoffen, vom feinsten Tüll bis zum stärksten Double mit jeder beliebigen Fadensorte: Wolle, Baumwolle, Seide, Chenille, Gold- und Silberfäden.
Dieselbe ist unentbehrlich zur schnellen und vorteilhaften Herstellung von jeder Art Stickerei nach den kompliziertesten Vorzeichnungen, da die Stofführung vermittelst einer Kurbel dirigiert wird, wodurch sich jedes Muster mit Ecken, Schlingen und Bogen mit Leichtigkeit herstellen läßt, ohne daß der Stoff gedreht oder auch nur berührt zu werden braucht.

Aufstellung der Maschine.

Für den Versand ist. der Oberteil in eine Kiste gepackt, während Tisch und Gestell gewöhnlich zusammen emballiert sind.
Aus der Kiste vorsichtig herausgenommen, wird der Oberteil in den im Tisch befindlichen Ausschnitt gestellt, so daß sich die beiden Charnierstifte, in die dazu vorhandenen Löcher senken, in denen sie vermittelst der daran sitzenden Muttern festgezogen weiden.
Das Festsitzen des Oberteils nach vorn bewirkt man durch Anziehen der Flügelschraube am Fundament.
Der beigegebene Holzzapfen, welcher in. das auf der Tischplatte befindliche Loch gesteckt wird, dient zur Stütze des Oberteils beim Umlegen, wenn die unteren Teile der Maschine geölt werden sollen.
Nun lege man den Treibriemen um das Schwungrad und Schnurscheibe und die Maschine ist zum Einfädeln fertig.

Bewegung der Maschine.

Man setze die Füße auf das Pedal und bewege das Schwungrad in der Richtung des Pfeiles (Zeichnung auf dem Umschlag). In diesem Zustande ist der Mechanismus der Maschine noch außer Tätigkeit und ist dies. die Stellung, welche nach Emporheben des Stofführers Pp (Zeichnung am Schluß der Anleitung) durch Hebel / das Einfädeln und Unterlegen des Stoffes zuläßt. Nun ergreife man mit der rechten Hand den Kurbelgriff E und drücke denselben herab.
Hierdurch wird der Mechanismus mit dem Triebrade verkuppelt und sämtliche Organe der Maschine in Tätigkeit gesetzt.
Diese Bewegung kann in jedem beliebigen Moment wieder gehemmt werden, indem man den Kurbelgriff E mach oben drückt, oder denselben von selbst aufwärts federn läßt, während die Füße ununterbrochen das Schwungrad treiben, so daß auf diese Weise ganz wenige, ja selbst ein einzelner Stich, je nach Bedarf, gemacht werden können.
Bei diesen Versuchen lege man ein Zeugstückchen unter den Stofführer, damit die Zähnchen desselben nicht beschädigt werden; auch kann man den beigegebenen Gummi-Stofführer benutzen.

Stofführung.

Ist die Maschine außer Tätigkeit und dreht man vermittelst der rechten Hand die unter dem Fundament befindliche Kurbel E (Zeichnung am Schlusse der Anleitung), so zeigt es sich, daß diese Bewegung genau und zwar in derselben Richtung dem kleinen Hebel rr, welcher in seiner Achse d auf der Nuß u oscilliert, sowie den Teilen m und n mitgeteilt wird.
Durch die Bewegung des Keilstückes m wirkt der Hebel rr auf die Excenterscheibe des Ringes n und gibt dem Stofführer Pp seine fortschiebende Tätigkeit.
Diese richtet sich nun infolge der eigentümlichen Verbindung des Stofführers mit der Kurbel nach. der jedesmaligen Stellung der letzteren.
Die Sticknaht entsteht stets in derjenigen Richtung, nach welcher die Kurbel Z gedreht ist; gibt man derselben daher eine halbe Umdrehung, so beschreiben die oben angeführten Teile m, rr und die innere Scheibe von n ebenfalls eine halbe Umdrehung und die Sticknaht wird in der gegebenen Richtung erzeugt. Man kann daher der Kurbel eine Stellung geben, welche man will, stets wird die Sticknaht in der durch die Kurbel angedeuteten Richtung entstehen.
Hat man diese Art der Stofführung genau kennen gelernt, so hat es keine Schwierigkeiten, die Maschine ganz nach Wunsch zu handhaben. Für den Anfänger ist die Herstellung folgender Figur am lehrreichsten:
Um dieselbe herzustellen, hält man die Kurbel E derart, daß sie mit der Linie A B parallel in der Richtung von A nach B steht und setzt das Schwungrad durch Bewegen der Füße in Betrieb, ohne jedoch die Kurbel nach unten zu ziehen.
So befindet sich der Mechanismus der Maschine durch die selbsttätige Kurbel-Auslösung im Ruhezustand.
Diese selbsttätige Auslösung wild durch eine Feder bewirkt, welche beim Drehen der Schnurscheibe die Kurbel aufwärts schnellt.
Nun wird Nadel und Nadelröhrchen k in gehobener Stellung sein, so daß man nach Hebung des Stofführers Pp, welche durch Hebel / geschieht, bequem die Zeichnung unterlegen kann und zwar so, daß Punkt A genau unter das Nädelröhrchen k zu liegen kommt.
Hierauf lasse man vermittelst des Hebels / den Stoffführer herab und kuppele durch einen Zug oder Druck der Kurbel nach unten den Mechanismus an das Triebrad.
Hierdurch entsteht eine Sticknaht in der Richtung von A nach B. Sobald die Nadel den Punkt 2 erreicht, unterbricht man durch einen Druck der Kurbel nach oben den Gang der Maschine, wendet die Kurbel in die Richtung B C und läßt durch einen Kurbelzug nach unten die Maschine wieder arbeiten, bis Punkt C erreicht ist.
Wieder rückt ein Kurbeldruck nach oben das Werk aus, und nachdem man die Kurbel in der Richtung der Linie C D gedreht, gibt man der Maschine durch Kurbelzug nach unten wiederum Gang, bis auch die Linie C D hergestellt ist.
So fährt man fort, bis die Zeichnung vollendet ist.
Hat man die Herstellung einer solchen geradlinigen Figur begriffen, so ist es leicht, auf ähnliche Weise gebogene Linien hervorzubringen, indem man die Kurbel, je nach der Krümmung, schneller oder langsamer dreht.

Einsetzen der Nadel.

Zu diesem Zwecke löst man die Flügelschraube v (Zeichnung am Schluß der Anleitung) und zieht die Nadelstange s vorsichtig aus ihrer Hülse. Die Nadelstange hat an ihren beiden Enden Schraublöcher, in welche das Gewinde der Nadel unter Mithilfe beigegebener Zange. eingeschraubt wird.
Man ziehe die Nadel nicht zu schwach an, damit dieselbe beim Arbeiten nicht herausfällt; dagegen verdirbt man durch zu scharfes Anziehen der Nadel leicht das Schraubloch der Nadelstange.
Bei der Wahl der. Nadel achte man wohl darauf, daß der Faden die Oeffinung des Häkchens ausfüllt; jedoch muß man u leicht hindurchziehen können, ohne daß er zerreißt oder durch Reibung unbrauchbar wird. Nun wähle man von 'den beigegebenen Nadelröhrchen A dasjenige passende aus, welches durch die Nadel genau ausgefüllt wird, ohne sich daran zu-reiben. Man wähle aber niemals ein zu weites Röhrchen.
Hierbei ist noch zu empfehlen, daß man nach vorgenommener Wahl von Nadeln und Nadelröhrchen den Nähfaden durch das Häkchen der Nadel legt und darauf achtet, daß die letztere den Faden willig in das Röhrchen mit hineinzieht und wieder herausläßt.
Man schraubt nun das Nadelröhrchen in das untere Ende der Röhre g, welche man des leichteren Ankommens wegen etwas anhebt, und zieht nun das Nadelröhrchen vermittelst des beigegebenen Schlüssels so weit fest, daß der Rand dicht an die Röhre g schließt.
Nunmehr setze man die Nadelstange wieder an ihren Platz, und zwar so, daß die offene Seite des Nadelhäkchens mit dem Hebel rr nach derselben Richtung steht, wie auf der Zeichnung angedeutet ist. — Man läßt nun die Stange vorsichtig herab, damit die Spitze nirgends aufstößt und zwar so tief, daß man zwischen Nadelspitze und Maschinenplatte den zu bearbeitenden Stoff bequem unterlegen kann. Endlich schraubt man die Flügelschraube v wieder fest.

Die Stichplatte.

Die Stichplatte q (Zeichnung am Schluß der Anleitung), von unten durch die Knopfschraube A befestigt, kann nach Lösung der letzteren beliebig gedreht werden, bis das mit der Nadel korrespondierende Stichloch genau unter der Spitze der ersteren steht.
In der Stichplatte q befinden sich 12 Löcher, welche verschiedene Größen haben und je nach der gewählten Nadelstärke zu benutzen sind.
Man bringe nun das gewählte Stichloch unter die Nadel, lasse diese herab und achte darauf, daß sie sich genau in der Mitte des Stichloches hält, ohne eine Seitenwand desselben zu berühren.
Letzteres muß auch der Fall seit, wenn man die Kurbel E herumdreht, und ist diese Probe nie zu unterlassen.
Hat man auf diese Weise die Stichplatte genau gerichtet, so befestige man sie vermittelt der erwähnten Knopfschraube A in der oben bezeichneten Stellung.

Einfädeln.

Man stecke die Fadenrolle G (Zeichnung am Schluß der Anleitung) auf den unterhalb der Platte befindlichen Spulstift w so, daß sich der Faden von. unten nach vorn abzieht, wie dies die Zeichnung veranschaulicht. Man hebt hierbei den Spannungsfinger F etwas an.
Die festere. oder losere Fadenspannung wird durch Senken oder Heben des Hebels 7 bewirkt. Nun nimmt man das Fadenende in die linke Hand, steckt alsdann den beigegebenen Drahthaken J durch. das vor dem Stichloch befindliche geschlitzte Loch der Platte q so, daß der Haken unterhalb des Fundaments wieder zum Vorschein kommt, legt den Faden in den Haken, zieht denselben, ersteren etwas gespannt haltend, durch das geschlitzte Loch heraus und legt den Faden nun in das offene Oehr der Feder K.
Nachdem man durch Hebel / den Stofführer Pp. hochgehoben, macht man, den Faden leicht ‘gespannt haltend, mit der Maschine einen Stich; der Faden wird: von der Nadel gefaßt und durch das Stichloch gezogen. Am sichersten wird der Faden gefaßt, wenn man der Kurbel eine Stellung nach links-vorn gibt.
Nun nimmt man vermittelst des Hakenmesserchens den Faden von der Nadel ab und zieht das Ende vollends aus dem Stichloch heraus.

Jetzt ist die Maschine zum Arbeiten vorbereitet.

Das Arbeiten.

Man hebt den Stofführer PP (Zeichnung am Schluß der Anleitung) vermittelst des Hebels l in die: Höhe und schiebt das zu bearbeitende Zeug so zwischen Nadel und Stichplatte, daß erstere genau über den Punkt, von welchem aus man arbeiten will, zu stehen kommt, und zwar muß die Nadelöffnung, nach derjenigen Richtung hinweisen, nach der die zu bestickende Linie zeigt.
Man läßt nun den Stofführer Pp auf das Zeug herab, setzt das Schwungrad in Gang, rückt mit einem Kurbelzug nach unten das Werk ein und dirigiert den Stofführer mit der Kurbel.
Man achte von Anfang an darauf, daß das Schwungrad beständig im Gang erhalten wird, gleichviel, ob die Maschine aus- oder eingerückt ist; denn nur auf diese Weise gewöhnt sich der Lernende an die eigentümliche Ausrückevorrichtung.
Man merke auch ferner darauf, anfänglich an jeder zu nähenden Ecke die Maschine auszurücken, der Kurbel die entsprechende neue Richtung zu geben und alsdann wieder einzurücken. Bei größerer Fertigkeit genügt schon eine kurze Kurbelbewegung, um eine Ecke zu machen.

Abheben und Befestigen des Nähfadens.

Nach beendeter Arbeit hebt man den Stofführer Pp vermittelst des Hebels l in die Höhe und zieht mit dem Hakenmesser den Faden unterhalb des Stoffes einige Zentimeter hervor, schneidet den Faden mit dem Messer durch und zieht den Stoff weg.
Bei dieser Gelegenheit zieht sich das Fadenende nach der oberen Seite des Stoffes. Der Faden wird nun vermittelst einer Hakennadel, die man von der unteren Seite des Stoffes hindurchsteckt, erfaßt, nach unten hindurchgezogen und noch einmal befestigt.

Stichstellung.

Will man den Stich der Maschine verlängern, so löse man die Kontremutter z und schraube die Stellschraube y heraus. Durch Hineinschrauben derselben verkleinert man den Stich je nach Bedarf, Hat man die gewünschte Stichlänge erzielt, so ziehe man die Kontermutter z wieder Test.

Fadenspannung.

Außer der im Absatz "Einfädeln" erwähnten Fadenspannung hat die Maschine eine zweite, nicht minder wichtige. Dieselbe wird durch Heben,und Senken der Nadelstange bewirkt.
Löst man also die Flügelschraube v (Zeichnung am Schluß der Anleitung) und hebt die Nadelstange s um eine Wenigkeit, so erzielt man dadurch eine längere Schleife, die Spannung des Fadens wird loser und man erhält eine breitere Sticknaht auf dem Zeuge. Beim Senken der Nadel wird die Spannung des Fadens fester, die Schleife liegt strammer auf dem Zeuge und die Sticknaht wird schmaler.
Man kann somit durch Heben und-Senken der Nadelstange allein die verschiedensten Effekte erzielen.
Ist die Fadenspannung unterhalb der Maschine zu lose, so ist die Folge, daß Fehlstiche gemacht werden; man hat alsdann nur den Hebel H nach der Richtung des Pfeiles soweit zu verstellen, als nötig ist, um einen gleichmäßigen Stich zu erzielen.
Durch entgegengesetztes Bewegen des Hebels H wird die Fadenspannung eine geringere. Dies ist zu tun, wenn die zu starke Spannung das Zeug zusammenzieht oder wenn der Faden reißt.
Man sehe darauf, daß der Faden stets im Oehr der Feder K liegt, da sonst ebenfalls Fehlstiche entstehen.
Es liegt auf der Hand, daß die Wahl des Fadens wesentlich zur Hervorbringung des gewünschten Effektes beiträgt und wird hierbei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß bei Aenderung der Fadenstärke auch Nadel, Nadelröhrchen und Stichloch entsprechend gewählt werden müssen.
Die Spannung der Feder X, welche den Stofführer Pp herabdrückt, kann dadurch verstärkt werden, daß man den oberen Schenkel in das tiefer gelegene Loch setzt.
Hat man andauernd gerade Linien zu nähen, so kann die allseitige er des Stofführers gehemmt werden, indem man die Schraube N löst, den kleinen Riegel O sanft an das Nadelrohr preßt und die Kurbel E langsam dreht, bis der Stift des Riegels O in ein Loch der Hauptröhre eindringt. Nun ziehe man die Schraube N wieder fest und die allseitige Bewegung der Kurbel ist aufgehoben.
Hierbei achte man darauf, die Kurbel E nicht zu drehen, denn dieselbe steht nunmehr fest und würde gewaltsames Drehen an derselben den ganzen Mechanismus beschädigen, Auf das Hoch- und Niederziehen der Kurbel hat der Riegel O keine Wirkung, sondern die Auslösung funktioniert wie vorher.
Der beigegebene Spulstift (illust. Preis-Courant No. 146 oder No. 214) dient zum Aufstecken der Holzrollen (illust. Preis-Courant No. 158), welche zur Aufnahme des Stickfadens bestimmt sind. Man bedient sich desselben, wenn kein besonderer Spulapparat zur Hand ist.
Zu diesem Zwecke schraubt man die an der Schnurscheibe sitzende Schraube heraus und setzt erwähnten Spulstift an deren Stelle, welcher vermittelst des Pistonschlüssels (illust. Preis-Courant No. 44) festgezogen wird.

Stellung des Greifers No. 64 beim Kettenstich.

Entfernt man die Stichplatte q (siehe Zeichnung am Schlusse der Anleitung), so wird man sehen, daß das Greiferhäkchen beim Kettenstich vom Punkt O l aus seine Hin- und Herbewegungen machen wird, jedoch von jenem Punkt nur, wenn die Kurbel nach E l gerichtet ist, d. h. nach vorn dem Arbeitenden zu.
Hat sich der Greifer während des Arbeitens verstellt, vielleicht durch Lösen einer Schraube der in Frage kommenden Teile No. 63 oder 66. oder daß der Keil No. 66, der auf der dünnen Welle unterhalb der Maschine im Rohr No. 67 sitzt, geplatzt ist, so sind entweder die Schrauben wieder anzuziehen, nachdem man den -Greifer wieder richtig eingestellt hat oder es ist ein neues Teil No. 66 einzusetzen.
Um dem Greifer die richtige Stellung zu geben, entferne man zunächst die Stichplatte No. 55, dann wird das Rad No, 140 (siehe illust, Teileverzeichnis) auf dem Hauptrohr gelöst und etwas nach oben geschoben.
Dem Hauptrohr gibt man die Stellung, daß die Nuß No. 15 mit dem kleinen Hebel No. 33, welcher auch in der Zeichnung am Schlusse der Anleitung mit r bezeichnet ist, nach vorn, d. h, dem Arbeitenden zu, gerichtet ist.
Nun ergreift man mit der linken Hand die Kurbel, mit der rechten Hand dreht man das Handrad oben an der Maschine und reguliert durch Rechts- oder Linksdrehen der Kurbel die Stellung des Greifers, und zwar muß das Greiferhäkchen beim Hin- und Herschwenken auf der dem Arbeitenden gegenüberliegenden Seite des Greiferlochs seinen Treffpunkt haben; beim Rechtsherumschwenken des Greifers muß dieser die Mittellinie etwas überschreiten. Nunmehr wird das Rad No. 140 wieder eingeschaltet, achte aber dabei darauf, daß die Zähne nicht zu fest ineinander greifen.

Moosstich.

Diese Stichart ist eine erhabene moosartige Stickerei, wozu sich Wolle, namentlich die sogenannte Mooswolle, aber auch Seide, Kunstseide etc. eignet. Besonders schöne Effekte erzielt man mit schattiertem Material.
In seinem Wesen nach besteht der Moosstich aus Fehlstichen oder Schleifen, die der Nadelhaken bei seiner höchsten Stellung fallen läßt.
Je nachdem die Nadel tiefer oder höher eingestellt ist, werden die Schleifen kürzer oder länger.
Dreht man beim Arbeiten des Moosstiches die Kurbel E beständig in kleine Kreise, so werden die Schleifen dicht neben– oder aufeinander gelegt und gleichzeitig miteinander festgenäht und man erhält dadurch eine erhabene dauerhafte moosartige Stickerei.
Um Moosstich auf der Maschine herstellen zu können, muß der Greifer No.64 und der Nadelhaken eine entgegengesetzte Stellung erhalten als dies bei der Kettensticharbeit der all ist.
Wie die Einstellung geschieht, ist aus der nachfolgenden Beschreibung ersichtlich.

Herstellung des Moosstiches.

Vor dem Beginn der Einstellung der Maschine auf Moosstich ist genaues Studium der Maschine in der jetzigen Stellung des Greifers, wie sie in dem obigen Abschnitt beschrieben ist, dringend zu empfehlen, denn eine unrichtige Stellung des Greifers beeinträchtigt das korrekte Arbeiten mit der Maschine.

Erste Art der Einstellung der Maschine auf Moosstich.

  1. Ausrücken der Maschine.
  2. Stellung der Kurbel und gleichzeitig damit des Hebels rr nach EI (Zeichnung am Schlusse der Anleitung).
  3. Lösen der Schraube c I und Hochschieben des konischen Rädchen ß, bis es das andere Rädchen ß I nicht mehr kämmt.
  4. Drehen der Kurbel wieder nach der Richtung E (also ½ Umdrehung), während das Rädchen ß festgehalten wird.
  5. Herabschieben des Rädchens ß bis es das Rädchen ß I wieder kämmt. (Doch nicht zu fest.)
  6. Festziehen der Schraube c I.
  7. Lösen. der Schraube j an der Kurbel und Drehen des Röhrensystems nach der entgegengesetzten Richtung, während die Kurbel nach E hin festgehalten wird. Bei dieser Manipulation ist darauf zu achten, daß der Stift t nicht herausfällt.
  8. Wiederanziehen der Schraube j.
  9. Lösen der Flügelschraube v und einhalbmaliges Umdrehen der Nadelstange, so, daß das Häkchen der Nadel umgekehrt zu stehen kommt, wie in der Anleitung "Einsetzen der Nadel" beschrieben ist.

Zweite Art der Einstellung der Maschine auf Moosstich.

  1. Entfernung der Stichplatte q.
  2. Kurbel Z dem Arbeitenden zu nach vorn stellen, also die Kurbel in die Stellung E I bringen, wie sie auf der Zeichnung am Schlusse der Anleitung markiert ist. In dieser Stellung, muß der Hebel r (Teil No. 33 des illustrierten Teileverzeichnisses) in gleicher Richtung mit der Kurbel nach vorn stehen. Das Greiferhäkchen am Teil No. 64 muß, wenn die Maschine richtig auf den Kettenstich gerichtet ist, hinten rechts seitlich weisen, wie dies im Abschnitt über die Greiferstellung beim Kettenstich beschrieben ist.
  3. Lösen der kleinen Schraube in der Schnecke (Teil No. 63 des Teileverzeichnisses). Herumdrehen der Schnecke so weit, bis das Greiferhäkchen entgegengesetzt zu stehen kommt, also die Stellung nach vorn links seitlich einnimmt, und seine Bewegung, bei der Kurbelstellung nach vorn von Punkt o aus macht (s, Zeichn. am Schlusse der Anleit.).
  4. Wiederanziehen der kleinen Schraube in der Schnecke No. 63, dabei achte. man darauf, daß die Schnecke nicht zu weit nach seitlich gesetzt wird, weil sie sonst gegen den Greiferbock beim Arbeiten stößt.
  5. Lösen der Flügelschraube v und einhalbmaliges Herumdrehen der Nadelstange, damit das Nadelhäkchen umgekehrt zu stehen kommt, wie in der Anleitung Seite 5, Abschnitt 6 beschrieben ist.
Während dieser ganzen Manipulation muß, wie oben bemerkt, die Kurbel nach vorn dem Arbeitenden zu stehen.

Pelz– oder Haarimitation.

Pelzimitation erzeugt man auf den Maschinen, indem man sie au Moosstich einstellt, als Material lose Tussaseide, Wolle, Kunstseide, überhaupt einen Faden, der möglichst lose drelliert ist, verwendet. Der Moosstich wird vermittelst einer Kardenbürste ausgebürstet. Je nach der Ergiebigkeit des Materials und der Länge der Schleifen des Moosstiches werden die feinen Fäden der Pelzimitation kürzer oder länger.

Einölen und Reinigen.

Man öle die Maschine möglichst täglich mit reinem dünnflüssigen harzfreien Oel, damit Staub und sich ansammelnde Fasern den korrekten Gang. der Maschine nicht beeinträchtigen. Es empfiehlt sich, die Maschine wöchentlich ein– bis zweimal gründlich zu reinigen. Dies geschieht am besten mit Petroleum, indem man alle sich bewegenden Teile an der Maschine beträufelt. Dann läßt man die Maschine leer laufen, damit das Petroleum überall gut eindringt und der zwischen den Teilen befindliche Staub hervorgespült wird. Danach reinige man die Maschine mit einem Lappen. Nun öle man die Maschine mit gutem dünnflüssigen harzfreien Oel. Dieses Oelen sollte stets vor dem Beginn der Arbeit geschehen.
Nach der Arbeit bedecke man die Maschine stets mit einem Tuche, damit kein Staub in den Mechanismus eindringe.
Beim Abschrauben der Stichplatte g (Zeichnung am Schluß der Anleitung) sieht man die Spindel oder den Greifer freigelegt. Dieses, wichtige Organ der Maschine muß öfter und sorgfältig von dem daranhaftenden Staub und Fasern befreit werden. Dies geschieht am besten durch Hineinträufeln von dünnem Oel und darauf schnelles Laufenlassen der Maschine.
Ebenso reinige man, beim Wechseln der Nadelröhrchen letzteres stets von den darin sich ansammelnden Fasern.
 
Folgende Teile, welche sich gegenseitig stark reiben, öle man am sorgfältigsten:
a. Unterer Teil der Maschine.
Schnecke und Greifer mit ausgelassenem Rindertalg oder besser mit dem bekannten schmalzartigen Mineralfett.
Lager der Schiebestange, Einschnitt der Schiebestangen-Röhre, Doppelring der Schiebestange, Lager der kleinen Wellen → mit gut gereinigtem Maschinenöl.
b. Im Arm der Maschine nach Abnahme der Deckplatte.
Hebel durch dessen Schmierloch.
Verbindung des Hebels mit der Zugstange.
Exzenterring der Zugstange.
Lager der Wellen.
Aus- und Einrückeapparat.
Hauptwelle der Maschine durch die drei Schmierlöcher.
c. Am Kopfe der Maschine.
Exzenterstück hinter der Kopfplatte.
Schlittenbewegung der Nadel mit dem daran sitzenden Herzausschnitt.
Schraubenachsen der Bewegungshebel.
Die Teile m, n, u. Röhre b der Nadelstange. Die beiden flachen Stangen L, und M. Röhre a über dem Nadelröhrchen. Den Greiferkopf durch Schmierloch o. Alle Getriebe des Schnurapparates. → Siehe Zeichnung am Schluß der Anleitung.
d. Gestell
an den verschiedenen Schmierlöchern.






Kurbel–Stick–Maschine — Schirmer, Blau & Co.


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